Aber bitte mit Sade

Eine Ausstellung von Pippifrank

29. April bis 15. Mai 2011

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Das Abjekt ist ein von Julia Kristeva geschaffener Terminus (see: Powers of Horror – An Essay on Abjection), der jene abgestoßenen und verdrängten Dinge und Situationen beschreibt, die zwischen Subjekt und Objekt stehen. Es handelt sich dabei nicht nur um Randgruppen der Gesellschaft, sondern auch um körperliche Ausscheidungen, wie Exkremente, Urin, Blut, Speichel usw., die vom Körper stammen, aber dann abgegeben werden.

Der vom Subjekt abgeschiedene Stoff wird zum Objekt, obwohl man noch einen Teil seiner selbst erkennt. Dabei verlässt man die gewohnte Welt der symbolischen Ordnung und öffnet die Tore für Ekel, Horror und das Unheimliche. Für Kristeva ist dieser traumatische Akt der Trennung auch ein notwendiger Akt im nie endenden Prozess der Selbstfindung. Für Künstler sind diese Stadien so attraktiv wie sie für andere Ekel erzeugend sein können. Die Welt der Fetischproduktion lebt davon und weiß, die Ambivalenz zwischen Verdrängung, Ekel und Attraktion für sich kommerziell nutzbar zu machen.

Frank Maier spielt offensichtlich mit dieser Figur des Abjekts und lässt das Unheimliche, Ekelhafte in vertrauter Form wieder neu aufmarschieren, erzählt es mit bekannten Geschichten und Anekdoten wieder neu. Was bei Paul McCarthy die vertraute, unschuldige und harmlose Person von Heidi leistet, wird bei Frank Maier Pippi Langstrumpf, die – wie der Name schon sagt – einen Hang zum Wasserlassen hat.

Das Begehren und Abgestoßen wird in den Arbeiten von Frank Maier durch ihre quasi-märchenhafte “Nacherzählung” zur extremen Zeitlupe verdichtet und verwandelt den Betrachter in unschuldige Voyeure, die miese, obszöne Dinge wie das erste Mal vorgeführt bekommen. Maier verzaubert und schockiert zugleich ohne jedoch die tragende Hass-Liebe-Spannung zu entschärfen. Das soziale wie auch objektkritische Reflexionspotenzial wird durch diese schrägen, provozierenden Arbeiten gestärkt und Schaffen einen psychosozialen Mehrwert, der unseren Gesellschafts- und Liebesnormen Antworten abverlangt, ohne erst groß Fragen zu stellen.

Prof. Rainer Ganahl

Pippifrank (Frank Maier)

  • 1976 geboren in Nürtingen (BW, Deutschland). Lebt und arbeitet in München
  • seit 2009 Platform3 – Räume für zeitgenössische Kunst, München
  • 2008 Diplom, Freie Kunst bei Prof. Rainer Ganahl
  • 2001-2008 Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Bei Prof. Werner Pokorny, Prof. Micha Ullman, Alexandra Ranner, Nana Petzet/Achim Bitter, Markus Ambach, Prof. Rainer Ganahl

Einzelausstellungen:

  • 2010 „Sade, Strich ? m ü. NN“, KunstRaum K25, Ulm
  • 2010 „Die Venus von Willendorf war beschnitten“, (mit Thomas Lehnerer), 14-1 Galerie, Stuttgart
  • 2009 „Moritze und Max bei den Hühnern“, Interventionsraum, Stuttgart
  • 2009 „Pippi kommt“, White Heat – ein temporäres Ausstellungsprojekt von Self Service Open Art Space in Zusammenarbeit mit dem Künstlerhaus Stuttgart, Hermes und der Pfau, Katrin Mundt und Jan Löchte, Stuttgart.

Gruppenausstellungen (Auswahl):

  • 2012 „GOLD“, Belvedere, Wien
  • 2011 „Futures“, platform3, München
  • 2011 „pop hits“, Tanzschule Projects, München
  • 2010 „works“, Platform3, München (K)
  • 2009 „Krautschneider“, Galerie Lisi Hämmerle, Bregenz
  • 2009 „Broken tales“, Theatre Academy, Shanghai
  • 2008 „Last rides – weekend exhibition“, Tensta Konsthall, Stockholm
  • 2007 „Only two days“, Gallery fruit and flower deli, New York (K)
  • 2006 „Glatzmaier und Kollegen“, Bahnwärterhaus/Galerien der Stadt Esslingen a. N.

Website: www.pippifrank.com

Fotos der Vernissage

Ausstellungsansichten