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Wir sind hier. Der ART OFF HAMBURG Kultursommer

Als Teil der Initiative ART OFF HAMBURG gestalten wir dieses Jahr, gemeinsam mit der Behörde für Kultur und Medien der Freien Hansestadt Hamburg, im Rahmen des „Hamburger Kultursommers” unter dem Motto „Wir sind hier” ein buntes und spartenübergreifendes Programm, um gemeinsam (neuen) Raum für Kunst und Kultur unter freiem Himmel zu gestalten.

Auf insgesamt fünf Rundgängen und Ausflügen durch die verschiedenen Stadtteile Hamburgs können Besucher*innen zwischen Ende Juli und Mitte September Veranstaltungen aus den Bereichen Kunst, Musik, Performance, Tanz und Literatur entdecken und erleben. Insgesamt sind über 400 Künstler*innen und Kreative sowie 24 Galerien und Initiativen aus der Off-Szene an dem Programm beteiligt. Erklärtes Ziel des ART OFF HAMBURG Kultursommers ist die Unterstützung der von der Covid19-Pandemie in ihren Arbeitsmöglichkeiten besonders betroffenen Künstler*innen.

Gemeinsam mit zehn weiteren Off-Orten, eröffnet der nachtspeicher23 das Programm am Auftaktwochenende vom 30. Juli bis 1. August 2021 mit einem Rundgang durch den Hamburger Osten. Beteiligt sind die Kunstorte und Initiativen Einstellungsraum, nachtspeicher23, xpon-art gallery, Künstlerhaus Wendenstraße/Studio 45, Zollo, Mikropol, Oel-Früh, noroomgallery, Kunst-Imbiss und Projektgruppe zwischen Eilbek und Rothenburgsort.

„Wir sind hier. Der ART OFF HAMBURG Kultursommer” wird im Programm Kultursommer 2021 durch die Beauftrage der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) mit Mitteln aus NEUSTART KULTUR gefördert.

Das Programm vom nachtspeicher23 e.V.

30. Juli bis 1. August 2021

Elisa Manig: flap, Fassaden-Objekt am Südpol (Süderstraße 112, 20537 Hamburg)
30. Juli bis 28 August 2021, rund um die Uhr zugänglich

In ihren schlichten, aufs Wesentliche fokussierten Skulpturen und Objekten stellt Elisa Manig immer wieder Selbstverständlichkeiten unserer alltäglichen Umgebung infrage. So werden Konstruktionen und Objekte, die auf den ersten Blick Sicherheit versprechen, zu haltlosen Raumerfahrungen verkehrt. Das eigens für den Kultursommer angefertigte überdimensionale Scharnier an der Außenfassade des Südpols wird zur symbolischen Figur mit hohem Aktualitätswert. Seiner Funktion nach ist es eine stabilisierende Konstruktion, die gleichzeitig stets eine öffnende oder schließende Bewegung impliziert. Subtil wird hier die allgemeine “Scharnierfunktion” von Kunst hinterfragt.

R&STkollektiv: After the Flood, Schaufensterpräsentation im nachtspeicher23
30. Juli bis 1. August 2021, ganztägig einsehbar

Der nachtspeicher23 wird zu einem postkatastrophalen Rückzugsort: Seit März 2020 hat sich hier ein Kollektiv aus drei Menschen verschanzt. Die Zeit bleibt stehen. Psychische Kräfte wirken auf die Gravitation der Erde. Sie verrücken die Realität und drehen den Raum um 90°: der Boden wird zur Wand und die Wände zu Boden und Decke. Die hier isolierten Lebewesen hinterlassen im Schaufenster Spuren in Form von Tagebuchnotizen und Zeichnungen, die leise ankündigen, was nach der Flucht am 6. August bei der Ausstellungseröffnung zutage tritt.

R&STkollektiv: ONE – WHO – T(HERE) oder Individuum – Gesellschaft – Planet, mit dem QeerQeenArtEnsemble, Norderstraße, 20097 Hamburg
31. Juli 2021, 14-18 Uhr
Situative Lesungen mit Anleitungen zu Alltags-Handlungs-Praxen (AHP) finden stündlich statt, um 14.30 Uhr, 15.30 Uhr, 16.30 Uhr und 17.30 Uhr.
Das R&STkollektiv untersucht in ihren situativen Kurzlesungen aus dem eigenen Manuskript „Die Reihe der Planeten” die Rolle des Individuums (ONE) in der Gesellschaft (WHO) auf dem Planeten (T)HERE).
Zusammen mit QeerQeenArtEnsemble (Helen Stephan, Finja Zilm) verlässt das Kollektiv seinen temporären Rückzugsort im nachtspeicher23 und zieht ausgestattet mit einem Handwagen in die Norderstraße, um Passant*innen an ihren Gedanken zu bestimmten Problemen der Gesellschaft teilhaben zu lassen, um neues Handeln anzuleiten, Anregungen zu geben, Widerspruch herauszufordern, Aktionen zu bewirken oder vielleicht nur den Augenblick am neuen Ort mit dem Publikum zu genießen.

Lars-Ole Bastar und Martin Wellermann: Jetzt:, Fotografien im Hofdurchgang nachtspeicher23
30. Juli bis 1. August 2021, Fr. 17-21 Uhr, Sa. 14-21 Uhr, So. 14-18 Uhr

Der Gehweg gewann in Zeiten der Pandemie für viele Menschen an Bedeutung. Selten zuvor wurde so ausgiebig in den Städten spaziert wie 2020/2021. Umso konsequenter ist es, dass die beiden Fotografen Lars-Ole Bastar und Martin Wellermann ihre Fotografien, die während
des letzten Jahres auf solchen urbanen Spaziergängen entstanden sind, im Durchgang zum Hof präsentieren. So wird die Ausstellung der urbanen Stillleben selbst für Besucher*innen nur im Flanieren erfassbar und weckt Erinnerungen an eigene Erfahrungen der Lockdown-Zeit.

After the Flood - topic models (PARTHERE)

Eine Ausstellung des R&STkollektiv
06. bis 20. August 2021

Seit März 2020 hat sich im Raum des nachtspeicher23 ein Gruppe aus drei Menschen verschanzt. Die Zeit bleibt stehen. Psychische Kräfte wirken auf die Gravitation der Erde. Sie verrücken die Realität und drehen den Raum um 90°: der Boden wird zur Wand und die Wände zu Boden und Decke. Die hier isolierten Lebewesen hinterlassen Spuren in Form von Tagebuchnotizen, Zeichnungen auf Papier.

Den dritten Teil der Ausstellungsreihe topic models an Hamburger Off-Szene-Orten bildet die Inszenierung einer Situation nach oder in Folge eines dystopischen Ereignisses. Der Ausstellungsraum als ehemaliger Rückzugsort ist aufgelassen. Reste eines Schutzversuches, einer Flucht sind geblieben. Etwas hat sich verändert, das noch nicht festzumachen ist.

Kann man jetzt im dritten, vorerst letzten, Teil der topic models Reihe etwas konstatieren oder resümieren? Kann dieser Zustand der Schwebe, in dem Restansammlungen vergangener Ordnungen wie in einem „zero-panorama“ (R. Smithson) den Blick auf zukünftige Konstellationen schärfen, die „umgekehrten Ruinen“* (sic!) als kulturelles Erbe der Zukunft sichtbar werden lassen? Die Inszenierung im nachspeicher23 könnte so zu einem topic model, zu einer Urzelle einer zukünftigen Kunst werden.

R&STkollektiv plant für die Ausstellung eine performative Urlesung. Der Termin wird noch bekanntgegeben.

*nach Gertrude Stein aus ‚Räumeʼ, Zarte Knöpfe, Bibliothek Suhrkamp.