Omid Arabbay

EVERYTHING EVERYTHING IS ALARMED

10.04.– 24.04.2026

Eröffnung: Freitag, 10. April 2026, 18-21 Uhr
Abschluss: Freitag, 24. April 2026, 18-21 Uhr

Der nachtspeicher23 e. V. versammelt in diesem Jahr künstlerische Positionen zum Thema Gastfreundschaft, einem Begriff, der oft mit Wärme, Offenheit und Großzügigkeit verbunden wird. Doch was passiert in dem Moment, in dem diese Geste ins Wanken gerät? Wenn das Willkommen-Sein nicht mehr deckungsgleich ist mit dem eigenen Empfinden? Wenn man eingeladen ist zu bleiben, aber innerlich bereits auf dem Weg nach draußen ist?

Der Ausgangspunkt der Ausstellung „Everything Everything is alarmed“ von Omid Arabbay und Shekkeba Arabbay liegt genau in dieser Verschiebung, in dem Moment, in dem Gastfreundschaft nicht mehr nur als Angebot gelesen werden kann, sondern auch ein Spannungsfeld zwischen Bleiben und Gehen öffnet. Ein Raum, in dem sich die widersprüchlichen Gefühle von Nähe und Distanz, Dankbarkeit sowie der Wunsch nach Rückzug, überlagern. Denn besonders als Kind ist man häufig in Situationen eingebunden gewesen, in denen man willkommen war, aber keine Kontrolle über die eigene Anwesenheit hatte. Man blieb, weil man bleiben sollte. Oder man ging, obwohl man eigentlich noch nicht gehen wollte. Gastfreundschaft wurde zu einem Moment der nicht nur angenommen, sondern auch ausgehalten werden musste.
Das stille Warten, das Beobachten und das Gefühl fehl am Platz zu sein, obwohl man eingeladen wurde, sind Erfahrungen, die der Körper nach wie vor mit sich trägt.
Denn auch jenseits der Kindheit bleibt dieser Zustand aufgrund sozialer Erwartungen, gesellschaftlicher Bedingungen und familiärer Strukturen erhalten und bestimmt, wann ein Aufenthalt endet. Gastfreundschaft wird so zu einer temporären Vereinbarung welche sowohl ein Versprechen des Willkommens als auch die Möglichkeit seines Endes in sich trägt.

Omid Arabbay, Flügelbruch (Alman Dream), 2025, Zeichnung, Leiter_Foto_OmidArabbay.jpeg

Die Arbeiten innerhalb der Ausstellung bewegen sich entlang dieser Bruchlinie. Sie fragen nicht nur danach was es bedeutet zu empfangen, sondern auch danach was es heißt sich diesem Empfang zu entziehen oder entziehen zu müssen. Denn sie verhandeln Momente des Übergangs: das Zögern an der Tür, das Verweilen im Dazwischen, der Blick zurück, bevor man geht. Gastfreundschaft erscheint hier weniger als eine stabile Geste, sondern als ein fragiles Konstrukt, aus Erwartungen, Machtverhältnissen und individuellen Empfindungen. Der nachtspeicher23 wird somit selbst zu einem Ort dieser Ambivalenz, der einlädt und Fragen stellt. Ein Raum in dem das Ankommen und das Aufbrechen untrennbar miteinander verbunden sind.

Das Jahresprogramm des nachtspeicher23 wird gefördert durch die Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg. Die Ausstellung „Everything Everything is alarmed“ wird zusätzlich unterstützt von der HFBK Hamburg und der Karl H. Ditze Stiftung.